Meer und viel mehr – 24.September

Ihren letzten offiziellen USA-Tag verbrachte Else im Orange-County, das für seine Frömmigkeit und einen hohen Prozentsatz an Republikanerwählern bekannt ist. Was fängt man hier mit einem letzten schönen Tag an? Else dachte, Shoppen und Beten könnte gut passen. Morgens verabschiedete sich Else noch vom Meer und wurde dabei gleich doppelt überrascht: zuerst kamen 12 (!) Delfine an ihnen vorbeigeschwommen und hoben zum Abschiedsgruß die Flossen. Dann machte eine Welle Else und ihre Mama nochmal richtig nass, bevor sie ins Shoppingzentrum aufbrechen konnten. Während Elses Mama dort ihre letzten Dollars ausgab, schauten sich Else und ihr Papa die Kathedrale an, die es nebenan zu besichtigen gab. Das war tatsächlich die Chrystal Kathedral, die sie eigentlich noch hätten besichtigen wollen, hätten sie mehr Zeit gehabt. Nun hatten sie ja Zeit und Else gefiel die riesige Kathedrale aus Glas und Spiegeln richtig gut. Nachmittags durfte Else nochmal in den Pool und ihre Eltern schrubbten das Wohnmobil. Morgen früh muss es blitzeblank sein, wenn sie es wieder abgeben. Allerdings eigentlich nicht von außen.  Durch die verrosteten Wasseranschlüsse sorgte Elses Papa allerdings noch für mächtig halligalli auf dem Campingplatz. Beim letzten Wasserbetanken stöpselte er den Schlauch ab – und hielt den ganzen verrosteten Wasseranschluss in der Hand. Eine  Riesenfontäne ergoss sich auf und neben Elses Papa und Wohnmobil und es dauerte bis tief in die Nacht, bis der Besitzer kam, das Wasser abdrehte, einen neuen Anschluss aufschraubte und alle Gemüter sich beruhigt hatten. Dabei dachte Else, dass nun nichts mehr schiefgehen könne.  Was für ein aufregender letzter Abend. In ein paar Stunden sitzt Else im Flieger nach Deutschland. Else wollte viel Meer. Und hat viel mehr bekommen. Dafür ist Else sehr dankbar. Und ihre Eltern auch.

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Flieg Schmetterling flieg – 23. September

Heute hat Else angefangen zu packen. Auf dem Bolsa Chica Campingplatz durfte Else mit ihrem Wohnmobil heute direkt in der ersten Reihe am Strand stehen. Während ihre Mama schon mit dem Packen angefangen hat, durfte Else mit Papa Muscheln suchen und ein wahrscheinlich letztes Mal am Strand laufen und krabbeln. Mittags waren sie in Huntington downtown und haben den Surfern von der Seebrücke zugeschaut, wie sie auf ihren Brettern rumhingen und warteten und warteten, bis mal eine kleine Welle zum Besurfen kam. Abends bei Sonnenuntergang ließ Else ihren Helium-Monarchfalter fliegen. Ihre Eltern staunten nicht schlecht, als dieser eine günstige Böe erwischte und richtig weit in den Himmel flog. Nur Sekunden später kam ein Patrouillehubschrauber vorbeigeflogen und drehte sofort bei, um das unbekannte Flugobjekt näher zu betrachten (echt wahr). Es kam dann aber zum Glück kein Jet zum abschießen,  so dass Elses Eltern aufatmen konnten. Schön,  dass Else ihren Monarchfalter noch in die Freiheit entlassen konnte statt ihn in die Tonne kloppen zu müssen. Abends saßen Elses Eltern noch ganz romantisch mit einer Flasche Wein auf einer Picknickdecke und schauten auf das von Bohrinseln illuminierte Meer. Am Himmel sahen sie Sterne und Flugzeuge. Irgendwo da oben fliegt nun auch Elses Schmetterling. Sie wüssten zu gerne wo er wohl landet.

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Else buddelt sich ein – 22. September

Heute hat Else mit den Vorbereitungen für die Rückreise begonnen. Sie hat zwei Klappstühle,  Kisten, Beil etc. einer glücklichen Familie aus Hannover geschenkt, die damit hoffentlich zünftig Urlaub machen werden. Um nicht wirklich ihre letzten Usa-Reisetage neben dem Flughafen zu verbringen, fuhren Else und ihre Eltern noch ein paar Meilen die Küste herunter bis „Surfcity“, wie Huntington Beach auch genannt wird. Der Strand ist wieder direkt neben dem Campingplatz und so konnte Else mal wieder den ganzen Tag buddeln und planschen.  Else traut sich immer weiter ins Meer hinein und aus ihrem Sandloch wollte die heute sowieso nicht mehr raus. Surfer waren hier eigentlich keine und auch kaum andere Badegäste.  Auch Jürgen Klinsmann haben sie nicht getroffen. Vielleicht ja morgen mittag auf der Seebrücke. In zwei Tagen fliegt Else heim. Und in einer Woche hat sie Geburtstag. Aber noch juckt sie das ja nicht. Else hat ja Meer.

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Else in Hollywood – 21. September

Heute war Else in Hollywood und hat viele Sternchen gesehen. Dabei wollten sie nur in den Gottesdienst. Sonntags wacht Else ja eigentlich früh genug auf,  damit sie den nicht verpennen. Heute hat sie allerdings trotz Partynachbarn und Fluglärm so tief und lange wie nie geschlafen. Mit Taxi und Metro ging es dann quer durch Los Angeles. Fast überflüssig zu erwähnen,  dass Else in diesen zwei Stunden mal wieder zig interessante Menschen kennengelernt hat. Menschenbegegnen gehört einfach zu Elses Lieblingsbeschäftigung und die Amerikaner machen es ihr wirklich sehr leicht, auch langweilige Metrofahrten zu ertragen. Die Metro spuckte Else dann genau auf dem Hollywood Boulevard aus, wo erstaunlich viele normale und durchgeknallte Menschen herumliefen und all die 1000 Sterne auf dem Boden bestaunten. Manchmal sind Menschen doch seltsam. Vor allem – was machen sie nachher mit den 350 Fotos von Gehwegplatten? Else und ihr Eltern kamen am Ende des Walk of fame bei der Mosaic Church an und feierten mit vielen hippen LosAngelitos Gottesdienst.  Else rockte beim Lobpreis voll ab und Elses Mama durfte diesen Sonntag eine ganze Predigt hören.  Alles war ein bisschen lauter und gestylter als in den anderen Gemeinden, aber war dadurch auch nicht be-geist-ernder oder berührender. Eigentlich ist das richtig tolle an dieser Gemeinde,  dass sie am Ende des Walk of fame steht, wo die Stars und Sternchen aufhören.  Dass an dieser Stelle Menschen ein Zuhause haben,  die Jesus liebhaben, fand Elses Mama richtig gut. Nach dem Gottesdienst schlenderte Else noch ein bisschen durch Hollywood. Weil sie so gerne Frösche küsst,  hat sie Kermit einen kurzen Besuch abgestattet und dann schnell wieder „nach Hause“ zum Wohnmobil. Hollywood war nicht so Elses Ding. Dann lieber am Strand rumhängen und Hähnchen grillen.

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Urlaub in der Tiefflugschneise – 20. September

Heute hat Else viele Flugzeuge gesehen, die über ihren Kopf geflogen sind. Um sich auf den Heimflug in fünf Tagen vorzubereiten, sind Else und Eltern heute schon mal nach Los Angeles gefahren und haben ihr Wohnmobil direkt neben dem Flughafen geparkt.  Tatsächlich wollte Elses Mama schon so früh hier sein, um am Sonntag die Mosaic Church zu besuchen. Und der einzige Wohnmobilstellplatz der Stadt befindet sich am Flughafen. Hier ist es aber wirklich ganz schön.  Der Platz liegt direkt an einem wunderschönen breiten Strand mit seichtem warmem Pazifik und vielen netten chilligen LosAngelikanern. Dabei fing Elses Besuch hier total beschissen an. Kaum angekommen (und den vorletzten Platz ergattert), ergoss sich aus dem benachbarten Wohnmobil eine Riesenpfütze braune Brühe auf den Platz, weil der Besitzer das mit dem Dumpen (Klowasser ablassen) nicht konnte. Zum Glück hatte Else ihre Krabbeltour über den Platz gerade beendet und war mit ihrer Mutter reingegangen. Diese wollte mit einer Krabbelelse auf keinen Fall länger auf dem beschissenen Platz bleiben, zumal nicht wirklich sorgfältig saubergemacht wurde. Elses Papa handelte einen anderen Platz heraus und so bekamen sie ein Upgrade in die zweite Strandreihe. Elses Eltern werden zukünftig wahrscheinlich etwas genauer schauen,  was Else so alles auf dem Boden findet. Schnell an den Strand. Else traute sich bis zur Brust in die Wellengischt und überredete ihre Eltern abends noch zu einem ganz romantischen Sonnenuntergangsdate zu Dritt am Strand. Ist gar nicht so schlecht, so ein Urlaub in der Tiefflugschneise.

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Zwischen Surfern und Pelikanen – 19. September

Heute war Else in Malibu am Strand. Da gab es einen schmalen Sandsteg zwischen einer Pelikanlagune und dem legendären Surfrider Beach. Else und ihre Eltern konnten sich deshalb kaum entscheiden, in welche Richtung sie gucken sollten. Weil es ziemlich heiß war und es kein geeignetes Häuschen mit Schattenwurf gab, brachen sie aber bald auf und flohen in die Santa Monica Berge. Dort gab es einen staubigen Campingplatz fern vom Strandgetümmel und dem Stadtverkehr Los Angeles. Bis dahin sind es nur noch wenige Meilen. Hier ließ Else es sich am Felsenpool im Schatten gutgehen. Ihre Eltern staunten nicht schlecht, dass Else ohne Anstand ins eiskalte Wasser wollte. Vermutlich lag es an der mexikanischen Großfamilie,  die gerade großen Mut beim Arschbombenwettbewerb zeigte. Da wollte Else in nichts nachstehen. Abends schwelgten Elses Eltern in alten Jungscharerinnerungen, da immer mehr Ranger-Gruppen ihre Zelte um sie herum aufbauten. Irgendwie waren sie auf dem Gruppenzeltplatz gelandet.  Bis auf eine leuchtende Frisbee, die Elses Mama am Bein traf, war die Nacht trotzdem erstaunlich ereignisarm und ruhig. Keine Kojoten, keine Mosquitos, keine Waschbären. In einer Woche ist Else wieder zu Hause. Sie freut sich schon sehr. Vor allem auf euch.

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Else und die wilden Tiere – 18. September

Als Else heute morgen ihr Frühstück am obligatorischen Picknicktisch zu sich nahm, den es hier auf jedem guten Campingplatz inklusive Feuerschale zum Stellplatz dazugibt, fand sie ausnahmsweise keine Spuren ihres Abendessens mehr. Else hatte in den letzten Wochen gelernt, “ alleine zu essen“ und „das zu essen, was Mama und Papa essen“. Deshalb hinterlässt Else immer eine mittelmäßige Schweinerei unter ihrem Platz und ihre Eltern trauen sich kaum mehr schön essen zu gehen. Beim Campen allerdings funktioniert das Prinzip super, denn meistens gibt es genügend Eichhörnchen und Vögel,  die sich über die Reste freuen. Letzte Nacht kamen allerdings die wilden Jungs von der Waschbärengang. Die vier Kollegen zeigten keine Scheu vor Elses Eltern, fanden in Null komma Nix die Mülltüte, tanzten auf dem Trittbrett und vertilgten Elses Reste mit Wonne. Sie drehten drei Runden und schauten immer mal wieder bei Elses Eltern am Lagerfeuer vorbei. Zum Glück waren die ja total geübt im Umgang mit Waschbären, denn die wohnen schließlich auch in Kassel. In Ojai gabs keine wilden Tiere, sondern nur Boutiquen und Pizza. Am Strand des heutigen Übernachtungsplatzes am Point Mugu widerum sprangen Delfine über die Wellen. Und was das für ein Tier war, das sie heute nacht besuchen kam, wissen sie noch nicht mit Sicherheit. Es fing mitten in der Nacht an zu schreien wie ein Mensch, der Hilfe braucht. Die Eintönigkeit und die Regelmäßigkeit über die nächsten Stunden beruhigte Elses Eltern dann in der Gewissheit, dass es sich um ein Tier handelte. Die Ranger behaupten, es seien Kojoten gewesen. Vielleicht aber auch ein Marder oder ein Pfau oder ….? Else mag lieber Hunde und Vögel.  Die kann man wenigstens streicheln. Manchmal.

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